...immer einmal mehr wie Du!

Wenn man in mein Alter kommt, muss man regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Deshalb habe ich heute mal wieder aus Zeitmangel nur zwei markante Ereignisse angerissen, die von jedem gerne zu Ende gedacht werden können.

Folgenden Dialog habe ich mir gestern zufällig zwischen Bürger und Politiker zur Lage in der Pflege angehört:

´…Wir haben ja noch nicht so viele männliche Pflegekräfte. Sind sie manchmal so ein bisschen wie der Hahn im Korbe oder wie fühlen sie sich?´

´…Unwichtiges Geblubber einer ehemaligen männlichen Pflegekraft, inzwischen Chef einer Pflegeeinrichtung, dass er in seinen Anfängen als Pfleger der Einzige war…Heute ist es so, ich habe bei mir in der Pflegeeinrichtung hundert Mitarbeiter und nur eine Handvoll Männer…es ist schon sehr Frauen-lastig. Aber ich glaube, dass wir auch immer mehr Männer dazu gewinnen können.´

´Naja, dafür ist es wahrscheinlich auch wichtig, dass das mit der Bezahlung besser wird…´

Da ist man doch froh, dass Frauen bisher die schlecht bezahlten Jobs machen und Männer, wenn sie schon mal in diese Domäne einbrechen, schnell an allen weiblichen Pflegekräften vorbeiziehen und, wie im vorliegenden Fall, Chef der Einrichtung werden, damit die Verdienstverhältnisse wieder stimmen (Anm.d.Red.: Da sieht man, dass Männer keine irgendwie geartete Quote brauchen, um sich in Frauenberufen zu behaupten. Witzig!). Ich bin sicher, Angela Merkel hat die Formulierung umgehend bereut, die Freud’sche Fehlleistung sagt aber einiges über das Grundproblem aus. Vielleicht sucht die Marketingabteilung der Kanzlerin das nächste Mal als repräsentativen Bürger besser eine weibliche Heimleitung aus.

Dann stach da gestern noch ein Beitrag im ARD-Politmagazin Kontraste hervor. Aktuelles Thema: Die Qualität der neuen Schnelltests, mit denen man mittels Abstrich binnen 15 min eine Corona-Infektion nachweisen kann (Anm.d.Red.: Nicht zu verwechseln mit den Anitkörper Tests, die eine Blutprobe benötigen und eine durchlaufene Corona-Infektion nachweisen). Der Skandal sollte sein, dass auf der Seite des Bundesministeriums diverse solcher Tests gelistet sind, die auch schon fleißig genutzt werden, deren Wirksamkeit aber von den betreffenden Herstellern zwar mit einer hohen Trefferquote beworben wird, diese aber noch nie in unabhängigen Studien nachgewiesen wurde. Jens Spahn hat zugegeben, dass die Tests aufgrund der Dringlichkeit der Pandemie-Lage zwar alle schon beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet wurden, aber erst nach und nach auf ihre Brauchbarkeit überprüft werden.

Da ich mich bei diversen Handlungen der Regierung, respektive des Bundesgesundheitsministeriums mit seinen angeschlossenen Kasperletheatern schon lange über nichts mehr wundere, war ich zunächst nur bedingt bestürzt, denn in einem potentiellen Dauereinsatz, wird sich qualitätstechnisch schnell die Spreu vom Weizen trennen. Allerdings ist fraglich wie dieser Dauereinsatz aussehen soll.

Es ist abzusehen, dass dieser Selektionsprozess für den Einsatz in Alten- und Pflegeheimen, wo einer der wichtigsten Einsatzgebiete liegen würde, ohnehin zu spät kommt. Ich hatte seit längerem den Verdacht, dass diese Diskussion, wie man mittels Schnelltests endlich wieder Besucher zulassen könnte, um so die Bewohner dieser Einrichtungen vor erneuter Vereinsamung zu schützen, nur ein mieses kleines Spiel auf Zeit war, um bei Spahn und Co. das Image des altruistischen Politikers hochzuhalten. Inzwischen ist die zweite Welle fast schon wieder rum, ohne dass die Regierung ihren Worten hätte Taten folgen lassen. Nicht eine Oma im Altenheim hat seitdem dank dieses Verfahrens Besuch von ihrem Enkel bekommen.

Deshalb wurde auch nie weiter darüber diskutiert, woher die Alten- Pflegeheime, bei der seit Jahren dünnen Personaldecke, nun auch noch Fachpersonal für solche Besucherschnelltests nehmen sollen und wer ein solches Vorgehen finanzieren soll, zumal die Schnelltests diese Einrichtungen laut ARD-Reportage mehr kosten, als die Krankenkassen dafür vergüten wollen. Ich gehe davon aus, dass der Impfstoff eher die Alten- und Pflegeheime erreichen wird als ein zuverlässiger Schnelltest. So ist schon jetzt abzusehen, dass auch an Weihnachten einige alten Leutchen sehr einsam sein dürften. Das werden sie dann aber  zumindest mit den braven Followern der Regierungsstrategie in der Corona-Pandemie gemein haben, denn je länger ich mir die Diskussion anschaue, umso mehr verdichtet sich meine Befürchtung, dass die Bunderegierung auch über die Weihnachtstage kackfrech Kontaktbeschränkungen beschließen wird (Anm.d.Red.: Ich weiß nicht, wie der gemeine Coronatiker dann reagieren wird, ich enthalte mich hier einer Aussage und verweise auf die Diskussion der beiden Weihnachtstassen. Ein Klassiker, der aber mein Umgang mit solcherlei Forderungen sehr treffend synchronisiert). Eigentlich lustig, hat man uns doch gerade vor zwei Wochen zu Beginn des Lockdown ´light´ noch gesagt, wir sollen uns nicht so anstellen, es wären doch nur vier Wochen.

Was mich in dem Beitrag in der ARD allerdings richtig an allen Protagonisten vor und hinter der Kamera zweifeln ließ folgte erst, als man sich damit beschäftigte, wo die zweifelhaften Schnelltests bereits angewendet werden. Die Urologin, die auf einem Wertstoffplatz in einem Container solche Tests anbietet, fand ich sogar noch relativ amüsant (Anm.d.Red.: Wie und warum man als Urologe auf solche Ideen kommt, blieb allerdings im Dunkeln). Dort standen Leute Schlange, die nach Spanien wollten und eine Bescheinigung für die Durchreise durch Frankreich brauchten oder welche, die sich testen lassen wollten, um ihre Arbeitskollegen nicht zu gefährden (Anm.d.Red.: Ich gehe eher von Langeweile oder Wichtigtuerei aus. Es wäre auch für den Gutmenschen ein Armutszeugnis, wenn er immer noch nicht begriffen hätte, dass diese Tests nur an genau diesem Zeitpunkt gelten und nicht über eine Infektion aussagen, wenn sie am nächsten Tag zur Arbeit rennen. Das würde nur ansatzweise Sinn machen, wenn die Vollpfosten jeden Morgen, bevor es an die Schippe geht, dort auflaufen. Bei Kosten von etwa 600€ pro Monat dürfte spätestens hier Schluss mit Altruismus sein). Immerhin klärte sich damit zumindest teilweise meine bohrende Frage, warum Menschen ohne Symptome und ohne Aufforderung vom Gesundheitsamt überhaupt ein Interesse daran haben könnten, zum Corona-Test zu rennen.

Jetzt kann man über den Sinn dieser ´Test to go´-Maßnahme oder die Geschäftstüchtigkeit besagter Urologin streiten, immerhin war zu erkennen, dass die Dame ihr fachfremdes Handwerk offensichtlich verstand, denn die verzerrten Mienen ihrer Kunden wiesen zumindest darauf hin, dass die Nasen-/Rachenabstriche an der richtigen Stelle gemacht wurden. Der Bericht hätte an dieser Stelle professionell enden können und die ARD wäre in meiner Gunst als Mainstreammedium zumindest dergestalt gestiegen, dass sie Jens Spahn, zwar nicht gerade ans Bein gepinkelt hat, aber doch wenigstens mal eine Duftmarke gesetzt hat.

Leider berichtete man noch darüber, dass die qualitativ zweifelhaften Schnelltests inzwischen auch für den Privatgebrauch erhältlich wären und es ein Risiko darstellen würde, wenn hier der Konsument zum falschen Produkt greifen würden. Während ich mich noch fragte, wo nach Meinung der ARD der besagte Privatmann das geschulte Fachpersonal herbekommen wollte, um einen Abstrich am Depot der Rachenhinterwand zu machen (Anm.d.Red.: Schließlich hat nicht jeder wie ich eine HNO-Ärztin zu Hause sitzen, die eine sadistische Freude an so etwas hat), wurde auch schon eine Lehrerin gezeigt, wie sie fleißig mit dem Wattestächen irgendwo im Naseneingang rumrührte, um das, was auch immer sie dort gefunden hat, mit Testlösung vermischte, auswertete und vor laufender Kamera erleichtert feststellte, dass der Test, wie in den Tagen zuvor, negativ ist und sie nun ohne Angst ihre Schulklasse unterrichten könne. Angesichts des Ortes der Probenentnahme war auch ich überzeugt, dass alle Selbsttests bei dieser Idiotin negativ ausgefallen sind und dies auch in Zukunft tun werden.

Nun ist es so, wenn dieses Pseudotesten die Dame nicht zum Leichtsinn im Umgang mit der Maske verführt, mag das Risiko für Schulklasse und andere Kontakte gering sein. Solcherlei Unkenntnis der Thematik mag im Einzelfall zu verschmerzen sein, es kann aber nicht angehen, dass die Macher der Reportage  sich nicht ansatzweise mit dem Thema beschäftigt haben und nun dem nicht ganz so hellen Wichtigtuer unter den Fernsehzuschauern  das Gefühl vermitteln, jeder könne sich in Zukunft selbst zu Hause mit den Schnelltests auf Corona testen, indem er sich ein wenig in Mund und Nase rumrührt. Zum einen wird es die Verfügbarkeit der Test für die wichtigen Einsatzorte verknappen, zum andern werden sich die Leute in einer zweifelhaften Sicherheit wiegen, die nicht nur zum fahrlässigen Umgang mit den AHA+L Regeln führt. Das wäre für mich noch zu verschmerzen, denn ich bin ohnehin für die Lockerung der Regeln im täglichen Leben. Allerdings besteht die Gefahr, dass potentiell Corona-Infizierte trotz Symptomen das Virus in die vulnerablen Gruppen tragen, weil sie den negativen Schnelltest als aussagekräftig ansehen und mit einem vermeintlichen Halsweh zum 80. Geburtstag der Oma fahren.  

 

Von einem Sender, dem ich meine Fernsehgebühren in den Rachen werfe, hätte ich ein wenig mehr Hintergrundrecherche und ein klares Statement gegen Selbsttests erwartet. Wieviel mehr? Keine Ahnung, aber immer einmal mehr wie Du! Schönes Wochenende!